Was kann man tun, wenn sich Menschen radikalisieren?
Im Interview mit „SZ Jetzt“ erklärt Nadia Wehrle von F.U.E.R., wie man reagieren kann – und wo man Grenzen setzen sollte
Wie können Angehörige reagieren, wenn sich Freund:innen oder Familienmitglieder zunehmend extrem rechts äußern? Darüber spricht Nadia Wehrle von der Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus (F.U.E.R.) im Interview mit „SZ Jetzt“. Sie erklärt, woran sich erste Anzeichen einer Radikalisierung erkennen lassen, wie Angehörige damit umgehen können und warum eine gute Beziehung wichtiger sein kann als das bessere Argument.
Warum eine gute Beziehung wichtig ist
Wer versucht, radikalisierte Menschen allein mit Argumenten umzustimmen, stößt laut Wehrle schnell an Grenzen. Wichtiger sei es, die Beziehung zu pflegen, das Gegenüber in seinen Sorgen und Nöten ernst zu nehmen und über die eigenen Gefühle zu sprechen. Bei menschenfeindlichen Aussagen sollte man trotzdem deutlich machen, was diese auslösen können – und sich hier klar positionieren. Aber: „Um radikalisierte Menschen zu erreichen, braucht man eine gute Beziehung, nicht das bessere Argument“, fasst Wehrle es in dem Interview zusammen.
In Kontakt bleiben, aber Grenzen setzen
Angehörige sollten diskriminierende Aussagen nicht aus Angst vor Konflikten dauerhaft hinnehmen, so Wehrle. Zugleich müssten sie auf die eigene Sicherheit achten und dürften Grenzen setzen – oder den Kontakt reduzieren. Wenn es möglich ist, könne es sinnvoll sein, den Kontakt nicht vollständig abzubrechen. So bleibe man eine Anlaufstelle außerhalb der extrem rechten Szene.
Angehörige müssten mit der Situation nicht alleine zurechtkommen. Der Austausch mit vertrauten Menschen kann entlasten, empfiehlt die F.U.E.R.-Expertin. Auch zivilgesellschaftliches Engagement könne helfen, das Gefühl der Hilflosigkeit zu überwinden.
