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Ein inhaltlicher Rückblick auf das Jahr 2025

Fünf Beobachtungen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern nach einem arbeitsintensiven Jahr

Zivilgesellschaft hält dagegen – oft unter hohem Druck: Der Jahresrückblick 2025 der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern zeigt, wie breit, wirksam und zugleich herausgefordert das Engagement gegen Rechtsextremismus im Freistaat ist. Fünf Beobachtungen nach einem arbeitsintensiven Jahr machen deutlich, warum Beratung, Vernetzung und politischer Rückhalt 2026 noch wichtiger werden.

Demokratie braucht zivilgesellschaftliches Engagement

In Bayern gibt es zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich aktiv gegen die extreme Rechte engagieren, ihre Strukturen und ihr Handeln problematisieren und vor Ort Proteste gegen ihre Veranstaltungen organisieren. Sie setzen Gegenakzente für ein demokratisches und weltoffenes Miteinander. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement ist immens wichtig für die Gesellschaft und leistet einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der Demokratie. Jede Form zivilgesellschaftlichen Handelns gegen die extreme Rechte bedeutet eine große Anstrengung, die fast ausschließlich ehrenamtlich geleistet wird. 

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern unterstützt die ehrenamtlich Aktiven mit ihrer Expertise und langjährigen Erfahrung bei der Gründung von Bündnissen, durch regionale Vernetzungstreffen, Informationen und Recherchen sowie Handlungsstrategien. Die engagierte Zivilgesellschaft ist eine ihrer wichtigsten Zielgruppen.

Die Rolle als zentrale Anlaufstelle zeigt sich sowohl im Bereich der Beratungstätigkeit als auch bei den Bildungsformaten: 30 Prozent ihrer Informationsveranstaltungen bot die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern 2025 gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Bündnissen für eine breite Öffentlichkeit an. Auch im Kreis der Beratungsnehmer:innen machten engagierte Personen 2025 nahezu ein Drittel aus. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus steht den ehrenamtlich Aktiven also in vielfältigen Frage- und Problemstellungen sowie bei ihrer wichtigen Arbeit zur Seite.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist breit aufgestellt

Wahlumfragen und Jugendstudien richteten den Blick zuletzt vermehrt auf ein Spektrum von Jungwähler:innen, die offen für extrem rechte Weltanschauungen sind. Auch publizistisch schienen vorwiegend neonazistische Subkulturen und rechte Jugendbewegungen von Interesse. 

Diese Schwerpunkte verzerren allerdings den Blick auf eine andere Realität: Es gibt viele junge Menschen, die sich gegen extrem rechte Tendenzen engagieren. Der Wunsch, Meinungsfreiheit, Vielfalt und Weltoffenheit zu verteidigen, motiviert Jugendliche vielfach zu demokratischem Engagement. Und nicht nur sie: Zivilgesellschaftlicher Einsatz findet sich in allen Gesellschafts- und Altersgruppen. So unterstützte die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern 2025 beispielsweise auch die Omas gegen rechts bei einem bundesweiten Vernetzungstreffen in Nürnberg.

Beratung und Vernetzung wirken

Die Nachfrage nach Bildungs- und Beratungsangeboten ist 2025 konstant auf sehr hohem Niveau geblieben. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus führte im Jahr 2025 knapp 200 Veranstaltungen durch und beriet in rund 230 Fällen – zum Teil auch langfristig. Das Spektrum der Beratungsnehmenden ist vielfältig: Es reichte von Einzelpersonen über Vertreter:innen von Vereinen, Verbänden oder Bildungseinrichtungen bis hin zu Mitarbeiter:innen der öffentlichen Verwaltung. 

Die Arbeit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus basiert nicht nur auf eigenen Qualitätskriterien, sondern orientiert sich auch an den einheitlichen Beratungsstandards des Bundesverbands Mobile Beratung (BMB). Die Qualität der Beratung wird beständig überprüft und evaluiert. Und sie wirkt: 95 Prozent der Beratungsfälle aus dem Jahr 2025 wurden abgeschlossen, weil das Beratungsziel erreicht und der Beratungsbedarf gedeckt wurde.

Wenn die Beratungsnehmenden Vernetzungs- und Handlungsstrategien entwickeln wollen, ist auch die Kooperation mit weiteren Fachstellen im Beratungsnetzwerk Bayern gegen Rechtsextremismus essenziell: In 13 Prozent der Beratungsfälle arbeitete die Mobile Beratung mit der Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus (F.U.E.R.), in 17 Prozent der Fälle mit der bayerischen Betroffenenberatung B.U.D. zusammen.

Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen führten aber gleichzeitig auch zu knappen personellen Ressourcen: Im Zuge der Bundestagswahl erreichten die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern so viele Anfragen, dass sie wegen der hohen Auslastung einen mehrmonatigen Veranstaltungsannahmestopp verhängen musste, um die Qualität der Angebote zu garantieren.

Der Normalisierung durch Aufklärung entgegentreten

Die Nachfrage nach Aufklärungs- und Bildungsformaten der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus war 2025 hoch. Vorwiegend referierten die Mitarbeiter:innen zur extremen Rechten, aber auch zu verschiedenen Phänomenbereichen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF), zum Beispiel Rassismus, Queerfeindlichkeit oder Antifeminismus.

Dass sich so viele Akteur:innen mit Themen, Strukturen und Inhalten der extremen Rechten auseinandersetzen wollen, zeigt: Die politischen Entwicklungen stoßen in der Bevölkerung keineswegs auf Gleichgültigkeit. Viele Menschen hinterfragen sie kritisch und möchten einer Normalisierung entgegentreten. Durchschnittlich besuchten 35 Interessierte die knapp 200 Veranstaltungen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, die in diesem Rahmen nicht nur sensibilisiert und aufklärt, sondern den Besucher:innen immer auch Strategien vermittelt, um sie in ihrer Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit zu stärken.

Zivilgesellschaft braucht mehr politischen Rückhalt

Demokratie ist kein Selbstläufer. Demokratie muss gelebt und verteidigt werden. Engagierte stehen jedoch zunehmend unter Druck. Auch 2025 kam es vermehrt zu Agitation gegen, Beleidigung von und Übergriffen auf engagierte Zivilgesellschaft und Kommunalpolitiker:innen. Im Kontext zivilgesellschaftlicher Veranstaltungen war daher auch das Thema Sicherheit in der Beratung sehr gefragt. 

Das immens wichtige demokratische Engagement zivilgesellschaftlicher Initiativen wird aber nicht nur durch extrem rechte Bedrohungslagen erschwert, sondern auch durch die Feindmarkierung als „linke NGOs“. Das geschah im Rahmen von Kampagnen, die bisweilen auch Zuspruch bei demokratischen Parteien fanden. Statt zivilgesellschaftlichem Engagement den dringend nötigen Rückhalt zu geben, stellen es Politiker:innen oftmals in Frage oder verkürzen es fälschlicherweise auf eine Auseinandersetzung von politischen Rändern. 

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus nimmt diese Entwicklungen mit großer Sorge wahr. Die aktive Zivilgesellschaft ist gesamtgesellschaftlich breit aufgestellt. Ihr Engagement für den Schutz der Demokratie ist unerlässlich. Statt die Zivilgesellschaft zu ignorieren oder zu diffamieren, benötigt ihr Einsatz gegen die extreme Rechte auch und gerade mit Blick auf die bayerischen Kommunalwahlen im März 2026 dringend mehr politischen Rückhalt. 

„Klare Kante gegen Menschenfeindlichkeit“: Schild auf einer Demonstration in der Nahaufnahme. © Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern